Kreativer Umgang mit Bertolt Brechts Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“ Ein Literaturprojekt der Deutsch E1-Kurse 10ac und 10d

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Im Deutsch E1-Kurs der Klassen 10 a, c und 10d haben wir im 2. Halbjahr zum Ende dieses Schuljahres ein Portfolio erstellt mit eigenen Texten zum Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“. Bereits im Januar hatten wir die Gelegenheit die moderne Interpretation des Stückes auf der Bühne des Staatstheaters Mainz zu sehen. Das nahmen wir zum Anlass, mit eigenen Ideen noch tiefer in dieses heute so aktuelle Drama einzutauchen und der Handlung und den Figuren einen eigenen Stempel aufzudrücken. 

Dabei haben wir erkannt, wie negativ Krieg Menschen charakterlich verändern kann. Im Verlauf des Dramas wird deutlich, wie es zum einen die Beziehung zwischen Mutter Courage zu ihrer Tochter Kattrin zerstört, zum anderen das Verhalten des Kochs Frauen gegenüber beeinflusst, bis hin zu den Plünderungen und Vergewaltigungen, die Soldaten im Laufe ihres Kriegseinsatzes einsetzen und die sie zu Unmenschen werden lassen – unbenommen der Tatsache, dass sie in ihrer militärischen Aufgabe immer an Gewaltakten teilhaben. Krieg ist immer ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und kann nie Probleme lösen, er bringt nur Zerstörung, Chaos und Verzweiflung! Ordnung und Disziplin seien die Tugenden, die man in der Armee lerne– wie es der Feldwebel bereits in Szene 1 propagiert, um junge Männer für den Krieg zu rekrutieren -, sie verkehren sich dann aber ins Gegenteil. Wenn die stumme Tochter Kattrin die einzige ist, die noch ein wahres Empfinden zeigen kann und dabei sich aktiv in Geschehnisse einmischt, erscheint es uns, als würde sie gegen Windmühlen kämpfen. Aber sie gibt nicht auf und bewahrt sich ihre Menschlichkeit, die geprägt ist von Mitgefühl, Solidarität und Selbstlosigkeit. Dafür wird sie aber große Opfer bringen müssen, allein kann das keine*r wirklich tragen – ein Apell, der uns bewusst macht, dass wir in Krisenzeiten zusammenhalten müssen. In unseren Texten, die wir kreativ und literarisch schreiben konnten ohne Druck und Einengung, haben wir über einzelne Figuren aus dem Stück nachgedacht, über ihre Probleme und ihre Beziehungen zueinander. Wir haben Leerstellen gefüllt, erfanden zusätzliche Personen und Handlungen, die das Geschehen in ein neues Licht rückten. Wir haben Grenzen verschoben in unseren Köpfen, haben versucht, unsere Gedanken in eine Sprache zu bringen, sind auf Entdeckungsreise gegangen und in Diskussionen und Nachspielen kamen neue Bilder auf, die uns inspirierten. Unser lebloser Klassenraum mit seinen immer in einer Linie ausgerichteten Tisch- und Stuhlreihen war gefühlt nicht gerade der passende Ort, um wirklich mit Lust und Laune kreativ schreiben zu können. Am Ende aber sind es die zahlreichen Ergebnisse, die wir uns gegenseitig vorgetragen haben, die zählen. Gerne hätten wir es zu einem Theaterstück zusammengefasst, doch die Zeit ließ dies leider nicht mehr zu. So möchten wir auf diesem Weg eine Auswahl unserer Texte hier veröffentlichen und damit zum Nachdenken anregen.